SYBILLA  BENKER
 
                              
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Kunst,-Urherberrecht / Medienrecht / Verlagsrecht

Wir beraten Sie auf dem Gebiet des Urheber,- und Verlagsrechtes in den Bereichen Informationstechnologie, Kunst und Kultur.

Wir vertreten Kreativschaffende  während des gesamten Kreativ Projektes einschließlich der Vertragsgestaltung,  mit dem Ziel der erfolgreichen Veröffentlichung Ihrer Werke, die wir juristisch, betriebswirtschaftlich und organisatorisch begleiten.

Beispiel Referenz: Ver Guardian


Weitere Beispiel Referenzen im Bereich Autoren:

Maximilian Ratskron
Hannes Weisheit
Mia von Hahne

Leseprobe aus " Die Wette " von Maximilian Ratskron:

"Das glaubst Du doch selbst nicht, “ sagte ich zu Alex.
„Doch, “ Alex lachte sein breites Lachen.
„Da bin ich sogar sicher. Dein Buch ist fantastisch, ein wirklich gutes Buch. Jedes Wort wahr und hervorragend geschrieben. Aber Du wirst keinen Verleger dafür finden, weil man mitdenken muss. Und selbst wenn Du nicht an einem durchschnittlichen Mainstream Lektor scheitern wirst, sondern an einen Lektor gerätst, der versteht und erkennt, was er da vor sich hat, wird das Buch spätestens an der Zielgruppenanalyse in der Redaktions,- oder Lektorenkonferenz scheitern oder falls da nicht, an den Mainstreamkritikern samt Literaturbetrieb - übrigens ebenso durchschnittlich. 
Sie alle werden sich fragen: Wer soll denn das lesen? Hast Du mal überlegt, wer liest überhaupt und hat die Zeit dazu?
Zielgruppenanalyse, mein Lieber! Der kulturinteressierte und kunstsinnige Bildungsbürger? Viel zu schwer; das würde ja bedeuten sich jenseits des kultivierten Lamentos über die schlechte Politik und die tumben Massen die sich von Hartz4 Programmen verblöden lassen mit diesem System auseinander zusetzen  und damit, wie man es verändern kann. Das ist genau das Gegenteil zu Ihrer immer  systemimanenten Orchideenkritik, die nur da und dort ein bisschen polieren will und verbessern, gerne auch  mit einem passenden ehrenamtlichen Engagement in Maßen, das einem das gute Gefühl gibt, ein wirklich guter Mensch  zu sein inmitten all dieser geregelten Leere, ohne grundsätzlich was ändern zu müssen, was das behagliche Leben  in Frage stellen könnte. Oder Hausfrauen, Beamte, Lehrer, Krankenschwestern, und so weiter? Erstere erreichst Du mit Themen wie: Die tüchtige Multitasking Lady, die alles schmeißt, Kinder, Haushalt, und den immer ein bisschen leicht dusseligen oder leicht umständlichen Mann, der nie wirklich die Perle an seiner Seite zu schätzen weiß. Oder mit  Krimis, die wohlige Schauer von Verbrechen, Intrigen und Existenznot in der Ferne erscheinen lassen, die harte Realität, weit weg von der Sicherheit des gutbürgerlichen Einfamilienhauses? Und Letztere – haben viel zu wenig Zeit, zu wenig Geld und deswegen zu viel Scheiße in Ihrem Leben. Wer von denen will sich denn wirklich mit Problemen auseinandersetzen geschweige denn erkennen was Politik und ein Gesellschaftssystem mit Ihrem Leben zu tun haben?
A little bit echtes Leben but not too much. Easy going, glaub mir, das funktioniert! Scheiße haben die Leute in ihrem Leben genug.
Und viel zu wenig Ausdauer, Weitsicht  und Charakterstärke, um die Dinge zu verändern. Sie wollen an das gute Leben und an die leichte Lösung glauben, an  Wellness, Urlaub, ein gepflegtes Essen, hübsch angepinselte Fassaden  und daran, dass man es sich zu Haus behaglich einrichten und die harte Welt draußen vor der Haustür lassen kann. Und nicht nur der, dem es finanziell gut geht,  will ein bisschen Ablenkung, Spannung, ein bisschen Tragik und Drama, aber nur am fernen Horizont, ansonsten Schönheit und Makellosigkeit tolles Ambiente, schöne Menschen, ein paar Stunden Spannung, Ablenkung und Glück. Glaub mir, die meisten sind nie erwachsen geworden und rennen den Mustern Ihrer Kindheit ein Leben lang hinterher.“
Alex zuckte die Achsel und nickte mir zu, wie um seine eigenen Worte zu bestätigen. 
„Das glaube ich einfach nicht. Das gilt nicht für alle. Du unterschätzt die Menschen, Alex. Es stimmt in vielen Dingen was Du sagst, aber trotzdem.“
Er lachte.
„Und du überschätzt sie. Du bist doch sonst so realistisch. Du hast ja recht mit allem was Du sagst, aber keiner will es hören. Nicht in dieser Form. Keiner stimmt nicht ganz, na ja nur eine kleine Minderheit an sogenannten Idealisten, und Weltverbesserern, so wie Du einer bist, wollen ernsthaft die Dinge zum Besseren verändern und haben auch das Zeug dazu. Sie werden zwar  in jeder Gesellschaft als Vorbild dargestellt, aber bitte erst wenn schon längst gestorben und daher für das aktuelle System ungefährlich. “
Alex lachte sein breites Lachen. Und sah dabei in mein halb verdutztes Gesicht. Irgendwie schwante mir, dass er recht haben könnte. Aber trotzdem,...dachte ich. „ Dein Buch ist wirklich fantastisch,“ fuhr Alex fort. „ Inhaltlich und stilistisch. Alles ist wahr und richtig. Aber Du bist Deiner Zeit mal wieder viel zu weit voraus. Dich trennen  Umlaufbahnen vom Durchschnittsbürger, so gut Du ihn auch verstehst und die Menschen fesseln kannst.“
 „Quatsch,“ wies ich Alex entrüstet zurück.
" Es gibt hervorragende Literatur, nicht auf dem seichten Niveau, von dem Du sprichst; in jedem Jahrhundert. Und die Menschen lesen sie auch. "
"Ja, stimmt schon", erwiderte Alex, aber nicht in dieser Komplexität. Das Leben des Einzelnen in seiner Projektion der jeweiligen gesellchaftlichen Verhältnisse, und was sie aus dem Menschen machen, oder er aus ihnen, sicherlich. Wie Lebensgeschichten auch - je nach den politischen Verhältnissen - durch sie geprägt werden. Aber nicht alles zusammen, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Philosophie, globale Systemveränderung, alles zusammen. " Alex schüttelte den Kopf.
" Ja aber alles hängt mit allem zusammen, das ist doch ganz einfach."
"Du bist ein unverbesserlicher Optimist." Alex schüttelte nochmals den Kopf.
"Im übrigen, jetzt könnten wir noch über die generelle Frage der Aufgabe von Kunst in einer Gesellschaft Kunst diskutieren." Alex sah mich an, mit seinem breiten Lachen.
" Nimmst Du überhaupt  noch etwas ernst?" fragte ich ihn. 
" Weißt Du, was ich ernst nehme? Das Hier und Jetzt und Heute, und dass Du genügend Geld auf der hohen Kante haben musst! Das ist das Einzige, was Dich in einer Gesellschaft wie dieser halbwegs vor einer noch härteren Realität schützt! Und die Erfahrungen die ich im Lauf meines Lebens mit anderen Menschen gemacht habe. Du kannst hier zugrunde gehen, aus den edelsten Motiven; die Karawane wird sich kurz über Deinen Kadaver beugen und was sie sieht von aufgeregt über nervös bis betroffen mit den dümmsten Kommentaren kommentieren, und dann sofort weiter rennen, weil am Horizont schon wieder der nächste, noch größere Kadaver aufgetaucht ist. Keiner wird ernsthaft stehen bleiben und sich wirklich fragen, warum Du krepiert bist. Und dahinter steht das Publikum und glotzt, und kommentiert die Kommentare, und geifert schon wieder nach der nächsten Tragödie, die in der Ferne auftaucht. "
Alex machte, nun ernst geworden, eine Pause und sah mich an.
" Ich habe manchmal Angst um Dich, weil Du in Deiner Überzeugung so konsequent, so, so  unbeugsam bist. "
Alex schüttelte unwillig den Kopf.
"Ach was," fuhr er fort, Du hast immer eine Art, einen von der bequemen Ebene der kommunikativen Leichtigkeit herunterzuziehen,....." Alex schüttelte sich, fast wie ein Hund, der aus dem See kommt, und das lästige Wasser in weiten Bögen aus dem Fell schüttelt.
"Und außerdem, " fuhr Alex nun wieder grinsend fort, denn er hatte sich gefangen, " viel zu wenig Sex oder zumindest knisternde Erotik, Herz und Schmerz  in Deinem Buch. Da fehlt einfach das tierische Gerammel oder zumindest der Weg dahin!  Tiefe Blicke, blaue Augenaufschläge, der weiße Ritter, Schweiß und Sperma, lustvolle Schreie,....... "
Ich schüttelte den Kopf, während er sein virtuelles Kamasutra Revue passieren ließ und dachte bei mir:
"Was verbindet uns beide eigentlich?"
" Schau nicht so traurig," deutete Alex meinen Blick.
„ Also gut, pass auf, laß uns wetten,“ grinste Alex.
„Wetten ? Um was, womit ?“
„Wetten dass ich innerhalb kurzer Zeit ein erfolgreiches Buch schreibe, das schnell einen Verlag findet, und ein Bestseller wird, während du mit Deinem wirklich guten Roman nur Absagen bekommst und keinen Verlag finden wirst!

Die Geschichte stricken wir jetzt – nach einem ganz einfachen Erfolgsrezept: Bediene alle gerade herrschenden Klischees, dazu ein bisschen Spannung, Tragik und Drama und nach einem retardierenden Moment ein Happy End, das Ganze selbstverständlich in einem wunderschönen Ambiente mit ebenso schönen Menschen. Ganz einfach!“ schnippte Alex mit den Fingern.
„Du unterschätzt die Menschen, Du bist ein Zyniker, entgegnete ich.“ 
„Und Du,“ lachte Alex mit seinem breiten Lachen, „bist ein Idealist und Philantrop, und überschätzt die Menschen. Also wetten wir? Wir schicken unsere Bücher gleichzeitig weg, ich werde einen Vertrag bekommen mit der Mainstreamschmonzette auf Durchschnittsniveau,  Du aber nicht. Na? Aber überleg es Dir gut, wir leben auf dem Planeten der Affen, und ich weiß wie ich mit Ihnen kommunizieren, wie ich sie füttern muss, ich nehme sie so wie sie sind. Das weißt Du auch alles, aber du willst Menschen aus Ihnen machen, und das geht nicht, das haben andere vor Dir schon seit Tausenden von Jahren immer wieder vergeblich versucht und es nicht erreicht. Genau so wenig wie Du. Worum also wollen wir wetten ? Ich werde  gewinnen, denn ich weiß genau, wie tief ich gehen darf, um sie nicht zu überfordern und bei Laune zu halten.“
Mein Stolz war getroffen.
„Gut,“ entgegnete ich. „Die Wette gilt. Die Menschen sind nicht so gedankenfaul, träge und dumm, wie Du Sie hinstellst. Worum willst Du wetten?“
„ Drei Monate  Luxuskreuzfahrt auf einem der Explorer Expeditionsschiffe  in einer Luxus Suite.“ erwiderte Alex.
„Gut,  die Wette gilt,“ nickte ich.
„Also dann backen wir  jetzt das Mainstram Geschichten nach dem folgenden Rezept: Jeder nennt ein paar  Wörter oder Themen für die Geschichte, die alle geltende Klischees bedienen.
Ich  fange an, also: 
1.Villa oder Schloss: Ein großes schönes Haus, eine Villa oder ein Schloss, schön gelegen, gern am Berg oder in einem großen Park, oder an einem See oder am Meer, innen genauso schön und edel wie außen. Wildromantische Landschaft
2. Liebe, Romantik und schöne Menschen, jung
Eine Liebesgeschichte - entweder schöne Frau – natürlich ebenso schön und edel  wie multitasking - zwischen zwei schönen Männern, der eine gut, edel und charakterstark, der andere das genaue Gegenteil, oder das Ganze umgekehrt: schöner Mann zwischen zwei schönen Frauen, die eine gut und edel, die andere, ….. und trallala .
Jedenfalls: Liebesgeschichte  mit Problem, Intrigen und Mißverständnis, und dann natürlich Happy End.
3. Reichtum /Viel Geld
4. Titel und oder alte Familie
5. Kind  - seit den 90er Jahren wieder sehr in, gerne auch im Doppelpack.
Du bist dran!“
Alex warf mir einen aufmunternden Blick zu. Ich überlegte und zählte dann auf:
6. Ein Schicksalsschlag; zum Beispiel in Form von Tod oder  Krankheit 
7. Ein hartes Herz, möglichst von einem Reichen wird erweicht durch selbstlose Liebe oder ein ebenso unschuldig aufrechtes Kind

8. Ein Familiengeheimnis, das nach Jahren ans Licht kommt
9. Sex
10.Politik und schmutzige Geschäfte“ Ich überlegte kurz:
 „Jetzt fällt mir nichts mehr ein.“
„Bravo - war doch gar nicht so schwer, “
grinste Alex.
Ich nickte, sein breites Grinsen war ansteckend. 
"So und jetzt wählen wir noch das Land aus, lieblich bis wildromantisch.
England Cornwall oder Südfrankreich oder Italien ? “
„England“
„Gut, jetzt die Variante,“ fuhr Alex fort: "Variante Krimi – da kommen Deine Themen mehr zum Tragen: Tod, Mord, Sex,Politik, schmutzige Geschäfte. Aber nicht too much, sonst wird es wieder zu schwer. Oder Belletristik mit dem Sieg des Guten oder ein Kracher, entweder so dumm, so ordinär, oder so provokativ, dass der Verlag alleine schon deshalb davon ausgehen kann,  dass  das Buch darum das allgemeine Medieninteresse findet ?“
„Belletristik“ erwiderte ich.
 „ Gut “ strahlte Alex. 
„Das Ganze wird dann noch gewürzt mit ein bisschen prototypischem Zeitgeist zu den jeweils aktuellen Klischees - die beliebte innerlich und äußerlich  bildschöne Multitasking Frau, die Familie, Kinder, Mann, Firma stemmt - wobei sie immer blendend aussieht. 
Jetzt wird das Ganze gut geschüttelt - nicht gerührt - und fertig ist der Erfolgsroman.
Das neue Mainstream Buch - das dem durchschnittlichen Lektor im  Durchschnittsverlag gefallen wird, weil es den Zeitgeist trifft und sich deshalb gut verkaufen lässt. So. Jetzt kann ich das Geschichten stricken. Wie lange brauchst Du, um Dein Buch fertig Korrektur zu lesen und zu verbessern? “ sah mich Alex fragend an.
„Hab im Moment beruflich viel um die Ohren wie Du weißt.“ Ich überlegte.
„ Zwei Monate. “
„ Zwei Monate? “ erwiderte Alex.
„Das reicht locker für den neuen Erfolgsroman, grade richtig zur Buchmesse.“ 
Wir reichten uns die Hände: „Top, die Wette gilt,“ sagte Alex.
Ich nickte.
„Wie heißt denn Dein Bestseller? “ fragte ich Alex lächelnd.
„ Nur Geduld, erfährst Du nächste Woche“ erwiderte Alex lachend, "Kannst gespannt sein! Die Geschichte entwickelt sich schon."
Alex tippte mehrmals mit dem rechten Zeigefinger an seine Stirn und nickte dazu vielsagend...................................... 


 

Leseprobe  aus " Pätschwörk Mof " von Mia von Hahne

Ich bin ein Flicken in unserem Pätschwörk Mof. Mof heißt Mom und Family - Mof eben. Ich bin 14, heiße Laura, und bin schwer Mof genervt.
Wo sind die ganzen glücklichen Patchwork Familien aus den Magazinen, Zeitschriften und vom Fernsehen? 
Ich kenne keine, dafür umso mehr Katastrophen Mofs. So wie unsere eben. 
Ma ist Anwältin, alleinerziehend - weiß nicht, was oder wen sie erzieht, ich jedenfalls wachse auf wie ein junger Hund - und arbeitet oft zu Hause, wo Sie Ihre ewigen Asylanten und Sozialrechtsfälle betreut.
Unten im Erdgeschoss, neben dem Wohnzimmer hat Sie ihr kleines Büro. 
Ihre schrägen  "Fälle" müssen immer bei uns durch den Flur und das Wohnzimmer latschen, wenn Sie in ihr Büro wollen, wie im Asylantenheim komm ich mir vor. 
Meine Schwester Caro ist voll nervig, sie ist zwei Jahre jünger als ich und klebt mir dauernd auf der Pelle. Caros Erzeuger ist so ein Weichei von Sozialarbeiter, vierzig Jahre alt, dumm wie Brot und benimmt sich genauso peinlich wie die verkorksten Jugendlichen, die er in seiner Wohngruppe betreut, wo er schwer einen auf Kumpel und Verständnis macht, der Schleimer.
Seine Sprüche kann ich auswendig, von Atomkraft über Solarenergie bis hin zu rettet die deutsche Kaulquappe. Caro hat viel von dem Schwachmaten. Immer am Quasseln und nix dahinter. Superpeinlich.
Der Typ hat vor Jahren auch zwei Jahre hier gewohnt. Jeesus!
Und finanziell ist er immer am Rumkrebsen mit seinem Minigehalt und seinen braunen gegeelten Schmuddel- Flatterlocken, nach hinten gekämmt. Passt gut zu den Geheimratsecken, ein schmuddliger Typ und glitschig wie ein Aal mit seinem Gelaber. So stell ich mir einen Zuhälter vor. Und so was läßt man auf sogenannte schwierige Jugendliche los.
Zum Glück hat mein Vater was Anständiges gelernt, er ist HNO Arzt und hat ne eigene Praxis. Von Pappa haben wir auch das Haus hier, sonst hätten wir nix, denn Mom ist finanziell auch immer am Rumkrebsen und kriegt einfach nix auf die Reihe. Mit irgendwas hängt sie ständig hinterher - Terminen, der Steuer, Rechnungen. Ihr Lieblingsspruch, wenn sie wieder mal was geschafft hat: "Jetzt sind wir wieder auf dem Laufenden." Jesus! Dabei hat sie nur wieder die grössten Löcher gestopft und dabei andere aufgerissen.  Mahnungen stopft sie in den Wohnzimmerschrank, hinter die oberste  Schiebetür. Die hab ich neulich versehentlich aufgemacht, als Tante Helene und Onkel Hans zu Besuch da waren und auf der Couch saßen. Da fielen die ganzen ungeöffneten Briefe heraus. Superpeinlich, alle haben geglotzt, Mam hat innerlich getobt, Blitze aus ihren grünen Augen in meine Richtung geschossen  und mich, als der Besuch weg war tierisch zusammengeschissen. Kann ich etwa was dafür, dass diese Frau keine Ordnung halten, und mich nicht ordentlich ernähren kann? Hab ich etwa entschieden, mich auf die Welt zu bringen ??? Und dabei versuch ich doch noch, ihr zu helfen wo es geht.
Müßte das in meinem Alter nicht eigentlich umgekehrt sein?
Ich kann unmöglich die Tochter dieser Frau sein. Bestimmt hat man mich nach der Geburt vertauscht. Aber das kann ich nicht beweisen. Doch, mit einem Gentest. Dann stellt sich aber womöglich raus, dass sie doch meine richtige Mutter ist. Ich lass es lieber, dann bleibt mir wenigstens noch die Hoffnung.
Ohne Pappas Unterhalt wären wir sowieso schon längst in der Gosse gelandet. Das weiss ich, aber Mam nicht. Quasselt dauernd davon was sie alles durchzieht.
Wo sind denn nur all die Supermüter aus den Büchern und Filmen? Eine ganz normale wäre aber auch schon super. Nirgends zu sehen, soweit der Blick reicht. Auch bei den anderen nicht.
Wenn ich bei Pappa bin, bei seiner jetzigen Familie, in der hübschen weissen Villa, gibts mir jedesmal einen Stich. Alles ist so sauber und gepflegt und strahlt Wärme aus. Auch Pappas zweite Frau Sabine ist nett.  Sie ist auch Ärztin, Frauenärztin. Dauernde Knappserei und Chaos wie bei uns gibts da nicht.
Aber was würde sie machen, wenn sie alleine wär, so wie Mam? Dann würde da auch alles ganz anders aussehen.
Meine Halbschwester Annalena ist 12, so alt wie Caro, und leider muss ich zugeben bildhübsch, blond mit dunkelblauen Veilchenaugen. 
Hübsch bin ich auch, ich hab braune Haare und einen schönen Mund, goldbraune Augen, und schon ganz schön Oberweite. Die Jungs und auch Männer schauen mich schon seit ner Weile ganz anders an als früher. Irgendwie wie auf der Lauer, eklig bei den alten Säcken, doof bei den Grünlingen. Neulich, auf der Familienfeier  hat mir doch wirklich der Pfarrer auf den Busen geglotzt: "Wie die Zeit vergeht und die Kinder größer werden" hat er an der Kaffeetafel salbadert. Gemeint hat er was anderes, sonst hätt er woanders hingeschaut statt in meinen Ausschnitt.
Na jedenfalls, jedesmal wenn ich bei Pappa bin, jedes zweite Wochenende, freu ich mich  vorher, ein bißchen zumindest. Aber wenn ich dann da bin, komm ich mir fremd vor, wie jemand, der nicht dazu gehört, obwohl ich ein Zimmer dort hab. Annalena ist eine dusslige Kuh, total eingebildet, sie hat ein eigenes Pferd. Keinen kleinen billigen Prollgaul, so wie ihn heut jeder hat, sondern ein wrklich edles, schönes, großes  Pferd, einen echten Araberhengst, tiefschwarz. Passt gut zu blonden Haaren. Furio heißt er. Furio und ich wir mögen uns. Ob er auch Annalena mag, der Arme, da hab ich meine Zweifel. Klavierstunden hat sie auch, natürlich  bei einer Pianistin und nicht bei einer prolligen Klavierlehrerin, und Ballett. Außerdem lernt Sie Chinesisch.
Ihre Mutter nennt sie "Mama", die  aufgeblasene Kuh, wie die französischen Aristokraten vor Tausend Jahren. Fehlt bloss noch, dass sie "Sie" sagt.
Na wenigstens hat die Meinige auch was studiert, obwohl Annalena mich schon mal tierisch geärgert hat: " Deine Mutter mit Ihrem Wohnzimmerbüro ist doch nur eine Winkeladvokatin!"
Da hab ich der Kuh eine geknallt, obwohl sie irgendwie recht hat, vielleicht hats deswegen so gesessen. Jedenfalls laß ich von so einer hohlen Gans meine Mutter nicht beleidigen. Irgendwie bemüht sie sich ja doch. Hinterher gabs tierisch Ärger, weil die blonde Prinzessin auf der Erbse mich natürlich verpetzt hat, bei "Mama" und Papps. 
Ich wurde zum Gespräch zitiert, und ich hab erzählt, warum ich Annalena geohrfeigt habe. Papps und Sabine haben sich betreten angesehen, wir haben beide eine Ermahnung bekommen, meine fiel aber irgendwie drastischer aus, und alles kam mir vor wie ein Theaterstück, als wär alles nicht echt. Ohne echten Menschen, nur Schauspieler. Alle nicht echt. Und nicht bei der Sache, irgendwie wie ferngesteuert. Alle außer mir.

Mein Halbbruder Timo ist 11, und ein netter Kerl, mit dunklen, glänzenden Locken. 
Neuerdings fällt mir der Unterschied zwischen dort und bei uns noch mehr auf, wenn ich heimkomm. Nicht nur, weil bei uns ewiges Chaos und Unordnung herrscht und Mom immer wie ein aufgeregtes Huhn herumflattert, mit ihren ewigen Zigaretten, mit denen Sie überall ihre braunen Brandlöcher hinterlässt,  und mir erzählt was sie alles nicht geschafft hat und wer dran schuld ist, sondern weil sich wieder mal einer ihrer peinlichen Lover bei uns einquartiert hat. Der fünfte, seit ich denken kann. Ein Idiot grösser als der andere. Der Neue ist Unternehmensberater und verdient wenigstens ordentlich. Die Woche über ist er fast nie da, da berät er seine Unternehmen. Er bemüht sich, muss ich schon zugeben. Versucht, gut Wetter zu machen und hat auch schon mein Zimmer neu tapeziert.
Peter heißt der Knabe, und hat auch zwei Kinder, eine Tochter Lara mit 15 und einen Sohn Dirk mit 13. Die wohnen bei Ihrer Mutter. Gottseidank . Wenn er die auch noch mit angeschleppt hätte, wäre ich auch ausgezogen.
Lara ist eine selten blöde Kuh mit Schmink- und Rosawahn.
Gibts denn nur blöde Weiber?
Warum kriegen die Leute eigentlich Kinder ?
Ich seufzte. Warum bin ich nur so allein? Allein stimmt nicht ganz, ich hab ja viele Menschen um mich,  meine Freundinnen und tausend social networks cons. Aber irgendwie sind alle mit sich beschäftigt, es ist so, als würden sie einen gar nicht wirklich sehen, vor lauter "Ich" , als wär der andere unsichtbar und man wär selber ganz allein auf der Welt. Neulich hab ich mal einen Film gesehen über ein Findelkind, Kaspar Hauser genannt. Hat glaub ich, vor 200 Jahre oder so gelebt und war ein Findelkind aus dem Wald, das man später in Nürnberg umgebracht hat, wegen seiner geheimnisvollen Herkunft. Was für ein armes Wesen. So fühl ich mich auch, wie ein Kaspar Hauser. Also nicht dass ich umgebracht werden will, ich meine nur: Fremd. Fremd fühl ich mich. Einsam und allein in dem ganzen wirrren Getöse.
Na ja.
Jetzt geh ich erstmal runter in die Küche und hol mir Chips und Schokolade, dann kann ich Mathe für einen Moment entkommen. Versteh nur Bahnhof.
25.06.
Also Tagebuch, der Schultag heute war eine Katastrophe, zwei Stunden Mathe, eine Physik, Waterloo auf der ganzen Linie. Jeesus! Nur Deutsch und Englisch laufen gut. Deutsch weil ich viel lese, da gibts die Menschen, die in echt scheinbar nicht rumlaufen, und für Englisch und Latein und Französich hab ich meine selbstentwickelte Lernmethode, lern ich drei Sprachen praktisch auf einmal. Warum sagt einem der Lehrer so was nicht? Alles muss man selber machen.
In der Pause dann die drei Anderen mit ihren unwichtigen  Problemen und Getue, Jungs, dance project, Klamotten und trallala. Jeesus. Die Welt geht vor die Hunde und was machen die Leute um mich rum ? Nix, beschäftigen sich nur mit ihrem blöden Schneckenhaus. Ach je, und es dauert noch eine Ewigkeit und Lichtjahre, bis ich mit der Schule fertig bin und hier raus komme, aus dieser dämlichen Spiesserschule und dem Irrenhaus zu Hause. Irgendwo auf der Welt muss es doch normale Menschen geben, da bin ich ganz sicher. In meinen social cons gibt es scheinbar auch nur Spinner und Wichtigtuer. Schreib ich schon gar nichts Persönliches mehr rein, sonst wirds postwendend weitergepostet. Keine Lust mehr, Stunden mit dem oberflächlichen Schwachsinn zu verbringen, wer wo was wieder und trallala - Schwachsinnsgelaber, alles nur Show und Performance.  Bin heute allein nach Hause gegangen nach der Schule, Umweg, über den Friedhof. Kurz vorher hat mich Notarsohn eingeholt, zwei Klassen über mir, Taro Rinke. Noch grösser als ich, blond und definitiv zu fett. Mit Sicherheit keiner der gut aussieht und den man sich als Freund wünscht. Hat mich angelabert, schon das zweitemal. Dann redet er noch wie ein Schlafpille und bedächtig wie ein Rentner im betreuten Wohnen. Na jedenfalls ist er in Mathe und Physik der Beste, und er hat mir nach meinem kurzen  Lamento angeboten, mir in Mathe zu helfen.

28.06.
Taro war heut nachmittag da, wir haben Mathe gemacht, war gar nicht schlecht. Der Knabe schwitzt in bisschen viel und atmet für sein Alter zu schwer, müsste schwer abspecken; halte Abstand.

Er hat meinen neuen Laptop bewundert, geponsert by Paps, ist ein echt cooles Teil. Hab letzte Woche ein Sprachprogramm  downgeloaded und mich in nem neuen Netzwerk angemeldet. Und jetzt krieg ich dauernd komische Werbemails in mein Postfach. Woher haben die meine Adresse? Von dem social net? Musste mich dort mal wieder mit meiner Mailadresse und meinem Passwort anmelden. Schon komisches Gefühl gehabt. Was geht die mein Passwort an? Hab erst ein falsches Passwort angegeben, da konnt ich mich nicht anmelden. Das haben die gemerkt. Also hab ich mein Passwort für mein Postfach angegeben. Wird schon ok sein, dachte ich.
Jedenfalls krieg ich jetzt diese Mails.
Nachdem Taro meinen Laptop bewundert hat - teures Teil, hat Eindruck gemacht - hab ich ihm das erzählt. Und er meinte: weisst du das nicht? Die loggen sich in Deinen Account ein, ziehen alle Daten, Adressen und Nachrichten ab und lesen Dein komplettes Postfach aus," grinste er.
" WAAAAAS? Das glaubst du doch selber nicht, das ist doch verboten, das dürfen die doch gar nicht. Das geht doch nur mich was an!"
"Warum glaubst Du, musst du überall Dein persönliches Passwort angegeben? Die loggen sich mit deiner Mailadresse und Deinem Passwort in Dein persönliches Postfach ein, so wie Du."
"Jeesus, wenn das wahr ist. Aber könnte schon sein, würde die komischen Mails erklären," überlegte ich.
"Woher weisst Du das?"
Taro grinste: "Ncht nur Mathe ist interessant, sondern auch die ganze IT."
"Ok," nickte ich. Taro grinste wieder sein unsicheres Grinsen: "IT ist Informatonstechnologie und alles was damit zusammenhängt, wie so ein Computer tickt, wie das Netz funktioniert, welche Programme im Hintergrund ablaufen, etc. Was du auf dem Bildschirm siehst, sind ja nur die Ergebnisse. Aber was dahinter abläuft, davon haben die meisten keine Ahnung und sind total hilflos." "Stimmt, ich klick ja auch nur rum und weiss nicht was warum passiert. Ausser dass ich mich in den social cons und nets anmelde, und auch nur weil alle es machen, eh nur dummes Geschwätz, ob im Netz oder face to face- ist auch egal, auf welchem Kommunikationsweg der Schwachsinn und geistige  Dünnschiß kommuniziert wird." Taro nickte beindruckt, diesmal ohne sein dümmlich unsicheres Grinsen. "Kannst Du mirs erklären?" " Was denn?" "Na, überlegte ich, "alles, alles rund um den Laptop, Computer und so weiter. Ich will verstehen was da abläuft. Ich bin nicht gerne der Depp. Ja, ich wills verstehen," wiederholte ich.
Taro lächelte, diesmal anders, nickte ein paarmal mit dem Kopf. "Wirklich?" "Ja, wirklich!" "Ok,", nickte er wieder . "Also dann, wann ? Aber ich sag es Dir. Es ist nicht schwer, wenn Du es verstanden hast, aber bis dahin - ein weiter Weg." Ich nickte. "ich wills verstehen" nickte ich. Und ich dachte bei mir: Ich will die Welt verstehen, ich fühl mich so hilflos, so unsicher, so ausgeliefert. Ich will verstehen.
"Weisst Du eigentlich, was eine Rating Agentur macht, und warum das mit dem Euro so ist ? Jeder den ich frage, winkt ab, Mom, Papps, wieso verstehen die das nicht ? Taro zuckte die Achseln. "Ich weiss, geht mir auch so, keiner kann Dir eine Antwort geben. Weiss auch nicht genau. Aber Du hast zu viele Fragen auf einmal. Lass und erst mal mit den Computern anfangen, dann sehen wir weiter." "Ok, hast recht," nickte ich.
Wir haben ausgemacht, übermorgen anzufangen, am Donnerstag. Wow, wer hätte das gedacht, irdendwie muss ich da rein, muss es verstehen............